Neuer Tagebucheintrag auf kleemusik.de

Suzie berichtet über den Jetlag, die Ankunft in München, das Treffen mit den Fans und über das letzte Konzert des Jahres,

„…denn das was wahr ist, für immer da ist,
für immer da ist, für immer wahr ist!“ …

München „Music for Goals“ und „Sag zum Abschied leise Servus“

Nach gefühlten hundert Stunden Flugzeit landete die Maschine aus Peking pünktlich am Münchner Flughafen. Wir krochen aus dem Flieger wie aus einem Kokon. Nur leider mit dem biologischen Paradoxon, dass wir uns als Schmetterlinge in Peking eingepuppt hatten und als „blasse, madenartige Zombies“ in Deutschland aus der Maschine heraus krabbelten. Ein bisschen frische bayerische Luft wird sicherlich Wunder bewirken, dachte ich noch und schon saß ich in einem Shuttlebus, der uns zum Hotel bringen sollte. Jede vergangene Viertelstunde fühlte sich von nun wie ein Filmriss an. Das ist also der berühmte Jetlag!

Somit machte es auch nicht wirklich etwas aus, dass wir am Hotel nur eine halbe Stunde Zeit zum Einchecken, Auspacken und frisch machen hatten. Morgen ist ja schließlich Halloween. Der Shuttlebus-Fahrer wartete schon ungeduldig vor dem Hoteleingang auf uns, als wir relativ pünktlich wieder unten waren. Wir nahmen es mit chinesischer Gelassenheit und ignorierten seine grantigen und unverständlich fränkischen Bemerkungen, als er uns zum „Meet and Greet“-Abendessen in ein jüdisches Restaurant mit koscherer Küche brachte. Dort wurden wir von den „Music for Goals“-Veranstaltern aufs herzlichste empfangen.

Nach einer kurzen Ansprache von Maurice Schreibmann, dem Kurator der morgigen Veranstaltung und gleichzeitig Vereinsmanager des TSV Maccabi, der als Fußballverein zum 2. Mal ein kleines Festival unter dem Motto „Music for Goals – Musik gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit“ ins Leben ruft, wurde das Büffet eröffnet.

Wir vermissten unsere lieb gewonnen Ess-Stäbchen und versuchten, der Etikette schuldend, unsere chinesischen Essgewohnheiten ad acta zu legen. Nach zweistündigem Plausch über unsere Erlebnisse in China und einigen Interviews über den Event morgen waren wir froh über den fahrtüchtigen Franken, der uns flott und fluchend ins Bett brachte. Ich schlief wie ein uralter Stein, und hätte die Sonne mich nicht mit ihren Leben spendenden Strahlen geweckt, ich wäre in 10 000 Jahren als Diamant aufgewacht. „Welch ein Luxus “ , dachte ich noch, „dass man in Deutschland das Kranwasser trinken kann“ und schnappte wie ein Fisch nach Luft, während das Duschwasser über mein Gesicht sprudelte.

Unter meiner Zimmertür wurde ein Briefchen durchgeschoben. Es handelte sich um eine Frühstücksverabredung zur Mittagszeit mit Daniel und Pese. Hurra! Auf dem Weg zum Frühstückslokal passierte ich ein gut besuchtes Chinarestaurant am Ende der Straße. Wenn die wüssten! In China gab es übrigens nirgendwo die bei uns obligatorischen Glückskekse. Aber es gab ja auch völlig anders Essen. Wie ist das wohl ist, wenn man nach einem fleischhaltigen, chinesischen Menü einen Keks liest und es steht: „That wasn’t chicken“ drauf? Wie auch immer, ich freute mich auf ein leckeres Käsebrot. Das Käsebrot war natürlich ein Käsebrötchen, ach nee, Käsesemmel, da lässt man sich in Bayern ja auch nicht lumpen, dazu eine große Spezi und zum Schluss einen filigran verzierten Café Latte im Glas. Vorzüglich! Spezi zum Frühstück ist ein absolutes „must have“, wenn man in München ist.
Um halb zwei wurden wir von unserem diesmal still schweigenden Fahrer zur Muffathalle gebracht. Der Soundcheck lief bereits auf Hochtouren und überall wuselten aufgeregte Musiker durch die Gänge. Nach unserem Soundcheck gingen wir ums Eck ins Brauhaus am Wiener Platz und quälten uns durch Berge frischen Kaiserschmarrns. Kurz vor Beginn der Veranstaltung hatten wir aber noch ein ganz besonderes Date, auf das wir uns schon den ganzen Tag freuten. Da dies unser letztes Konzert in diesem Jahr sein sollte, bevor wir uns ins Studio einigeln, um das neue Klee Album aufzunehmen, wollten wir uns gerne mit den Fans, die extra für uns den meist weiten Weg nach München aufgenommen hatten, auf ein Bierchen treffen.

Besonders überrascht waren wir über die Anwesenheit von Marina aus Russland. Marina hat uns im April, als wir in Kazan gespielt haben, besonders liebevoll betreut und umsorgt. Das war ein wirklich schönes „Heimkommen“ im Kreise seiner Lieben. Jeder bekam ein kleines Souvenir aus China: Ess-Stäbchen „im Schlafsack“ und einen Glücksbringer, der in der konzertfreien Zeit, zusätzlich an uns erinnern darf. Dann musste ich auch schon mit Sten viel zu schnell zu einem Interview. Da ahnten wir auch noch nicht, dass die ganze Veranstaltung „Delay“ von ca. 45 Minuten haben wird. Aufgrund dessen wurde unsere Auftrittszeit um eine Viertelstunde gekürzt. An dieser Stelle möchten wir uns für die kurze Spielzeit entschuldigen. Bei einem Festival solcher Art kann so etwas schon mal passieren. Ich hoffe, ihr habt Nachsicht und Toleranz den Veranstaltern und den vielen anderen Bands gegenüber, die ihre Spielzeit auch kürzen mussten. Unser Konzert war zwar kurz, aber sehr intensiv. Es war wunderbar, Euch alle in den ersten Reihen zu sehen und Eure Energie zu spüren. Danke dafür, und danke allen, die uns im letzten Jahr bei unseren Konzerten soviel Rückhalt, Unterstützung und Kraft gegeben haben! Das war ein wunderschönes und abenteuerliches Live-Jahr. Jedes einzelne Konzert, ob in Lippstadt, Kazan, Shenyang, Peking, Chongqing, Altenbeken, Münster, Köln oder sonst wo. Ihr wart immer da, bei uns, habt uns begleitet egal wo und egal wie. Dafür möchten wir Danke sagen, und wer es bislang noch nicht bemerkt haben sollte, dem widmen wir, wie auf jedem Konzert, folgende Zeilen: „…denn das was wahr ist, für immer da ist, für immer da ist, für immer wahr ist!“ Das seid ihr! Passt gut auf euch auf und haltet die Ohren steif!
Neuigkeiten aus dem Studio wird es regelmäßig auf unserer Homepage, bei Facebook, Myspace oder Twitter geben. Versprochen!
Bis bald ihr Lieben und wie immer: „Der letzte macht das Licht aus!“
Servus

P.S.
Hier noch ein bisschen Information über den TSV Maccabi:

Maccabi e.V.
Der TSV Maccabi München e.V. ist 1965 von Überlebenden des Holocaust gegründet worden. Es galt, einen Ort der Zusammenkunft zu schaffen, an dem jüdische Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer sich im sportlichen Wettkampf und im Spiel trafen und wo Hoffnung und Zuversicht auf ein Leben in Frieden und Sicherheit wachsen konnte. 2008 ist diese Vision Wirklichkeit. Über 850 jüdische und nichtjüdische Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus 15 Nationen treffen sich regelmäßig, um u.a. Fußball und Tennis zu spielen, zu tanzen und Gymnastik zu treiben. Sie feiern miteinander, lernen sich in ihrer Unterschiedlichkeit kennen und akzeptieren. <br><br>
Maccabi München wurde 2008 als „Botschafter für Demokratie und Toleranz der Bundesrepublik Deutschland“ von Innenminister Wolfgang Schäuble in Berlin ausgezeichnet. Ferner erhielt Maccabi 2008 den Integrationspreis der Landeshauptstadt München.

Wer mehr wissen möchte:
www.maccabi.de

KLEE in Peking

Die verbotene Stadt im Herzen Pekings.

Vom 2. Tag in Peking berichtet Sten,
… Wieder eine neue, Atem raubende Facette dieses beeindruckenden Landes! …

Peking, Tag 2
Wir begnügen uns mal wieder mit viel zu wenig, sprich ca. vier Stunden, Schlaf, denn zumindest einige von uns wollen heute schon früh los, um vor dem „Sightseeing-Programm“ noch ein wenig zu shoppen. Es geht zum San Li Tun Market, wo man, ähnlich wie in der „Silk Street“, die wir ja bei unserem letzten Peking-Aufenthalt besucht hatten, so ziemlich alles bekommt, was das Souvenierjägerherz höher schlagen lässt: hunderte kleiner Schmuck-, Klamotten- und Schnickschnackläden bieten zwischen traditionell chinesischem auch so ziemlich jeden westlichen Markenartikel zu unvorstellbar günstigen Preisen an.

Dass die Rolex für 10 € oder der Samsonite Koffer für 15 sicher keine 2 Monate überleben werden, ist natürlich klar. Ein Spaß ist es dennoch, all die Replika-Iphones, Kameras und Hermes-Taschen, von denen man immer liest, auch mal live zu sehen und in den Händen zu halten. Gekauft habe ich allerdings nur „klassische“ Mitbringsel wie Drachen, Schals und lustigen Krimskrams. Suzie trumpfte mit Sonnenbrillen jeder Art und lustigen Kopfbeckungen auf.

Das obligatorische Handeln und Feilschen fängt nach einer gewissen Zeit allerdings dann doch an, so an den Nerven zu rütteln, dass wir uns nach zwei Stunden mit unserer Beute begnügten und zurück zum Hotel fuhren. Die Sonne kam raus und im Taxi bemerkte ich etwas Blitzendes an Toms und Peses Handgelenken: Die Beiden hatten der Rolex-Versuchung offensichtlich doch nicht widerstehen können.

Wir trafen die anderen zum Mittagskaffee im „Alley-Café“ um die Ecke vom Hotel. Ein nettes, kleines und sehr empfehlenswertes Café in der Nähe des Nordtores der verbotenen Stadt, in der Straße, in der auch unser Hotel lag. Plötzlich raste die Zeit wie im Flug und wir beeilten uns, zu genau dem besagtem Nordtor zu kommen, denn diesmal wollten wir die verbotene Stadt auf keinen Fall verpassen. Umso größer der Schock, als wir am Eingang erfahren mussten, dass wir soeben den letzten Einlass um drei Minuten verpasst hatten. Die Enttäuschung war riesig und hielt auch die nächsten Stunden an, die wir mit einem Spaziergang und zwischendurch improvisierten kleinen Band-Foto-Stopps verbrachten. Doch auch da plötzlich große Not, denn meine Digital-Kamera gab ihren Geist auf. Und es war KEINE, die ich zuvor günstig im San Li Tun Market gekauft hatte.

Wir behalfen uns so gut es ging mit den noch vorhanden Kleinkameras und Handys und freuten uns dann auf das Abendessen. Hierfür hatten wir uns mit Cheizak, dem Executive Producer des chinesischen „Rolling Stone“- Magazins verabredet, den wir bei unserem Peking-Konzert im Juni kennen gelernt hatten. Sein Restauranttipp war die Erlösung für die „erlittenen“ Qualen am Nachmittag und seine Geschenke, nämlich zwei Exemplare der September-Ausgabe des Magazins, in denen zweiseitig und begeistert über uns berichtet wird, eine wahnsinnig tolle Überraschung, die uns sofort das chinesische Lächeln zurück in die Gesichter zauberte! Was kann es Schöneres geben, als gemeinsam mit den Beatles auf einem Cover zu sein!?

Wir beschließen daher, noch ein wenig „feiern“ zu gehen und den nächsten Tipp von Cheizak auszuprobieren: an Luo Gu Xiang im Dongcheng Distrikt, eines von den neuen, alternativen Ausgehvierteln Pekings. In einem traditionellen Viertel mit den typischen kleinen, niedrigen Backsteinhäusern und engen dunklen Gassen siedeln sich immer mehr kleine Läden, Cafes und Kneipen an, die einen Hauch von Covent-Garden oder Camden Town der späten 80er oder frühen 90er Jahre versprühen. Wir sind überwältigt und begeistert. SO „trendy“ und modern – auch in Hinsicht auf „Jugendkultur“ und „Alternativszene“ – hatten wir China bisher noch nicht erlebt. Wieder eine neue, Atem raubende Facette dieses beeindruckenden Landes!

Und wieder VIEL zu spät kommen wir daher zurück ins Hotel, wo noch gepackt werden will, denn wir hatten am Abend dann noch beschlossen, der verbotenen Stadt am nächsten Morgen eine weitere, aber dann auch sprichwörtlich letzte Chance zu geben, denn um halb elf würde uns der Shuttlebus zum Flughafen holen. Es blieben uns also knapp zwei Stunden, von 8.30 bis viertel nach zehn.
Und erneut nur 4 Stunden Schlaf.

Tagebucheintrag 7. Tag KLEE in China

Aber gegen Ameisen gibt es doch Elise,

Suzie schrieb zum 7. Tag,
Von Wuhan nach Bejing – Übergewicht und Käferkebap …

Beim Wuhaner Flughafen angekommen, begleitet von Angie und Hans, mussten wir erst einmal jede Menge Übergepäck bezahlen und meinen Koffer zum Sperrgepäck rollen. Nach einem herzlich-schmerzlichen Abschied am Security-Schalter mogelten wir uns mit unserem viel zu schwerem Handgepäck an Board der China Airlines Maschine. Nach dem üblichen Kampf um den einzigen Fensterplatz saßen wir alle hundemüde auf unseren Sitzen. Es dauerte nicht lange, und das Flugzeug hob ab in Richtung Peking. Es dauerte auch nicht lange, und der erste chinesische Staatsbürger zwischen uns zog sich die Schuhe aus und ein würziger Maukenduft waberte um die Sitzreihen. Nachdem die Erdnüsschen und Getränke von den hübschen Stewardessen verteilt waren, fiel unser schuhloser Passagierkollege ad hoc in den Tiefschlaf, und das sehr geräuschvoll. Manchmal kippte er in Anzug und Krawatte nach vorne, dann wiederum ließ er seinen Kopf halb über den Gang hängen und blies seinen schweren Atem bis ins Cockpit. Unmittelbar vor der Landung wachte er wieder auf, schaltete sein Handy an, schlüpfte in sein Paar Schuhe, und als der Flieger den Boden berührte, stand er auf und wollte seine Computertasche aus dem Handgepäckfach herausholen, doch als er aufs Strengste von der Flugbegleiterin ermahnt wurde, das zu unterlassen, nahm er wieder Platz und stand erst auf, als der Flieger parkte.

Nach der einstündigen Fahrt vom Flughafen zum Hotel, welches unmittelbar an der verbotenen Stadt lag, sind wir im wärmendem „Zwiebel-Look“, denn in der chinesischen Hauptstadt wehte eine nächtlich, kühle Herbstbrise, hinaus auf die Straßen. Unser Ziel war der Dong Hua Men-Nachtmarkt in der Innenstadt. Eine kilometerlange, mit tausenden roten Lampions beleuchtete „Fressmeile“, bei deren Anblick sich die „längste Theke der Welt“ warm anziehen sollte und ein empfindliches Gemüt auf jeden Fall weiche Knie bekommt. Auf ganzer Länge des Marktes reihten sich hübsch dekorierte Buden perlenkettengleich aneinander. Die Menschen in den Buden hinter den Theken, trugen harmlose rote Schirmmützen und luden uns unermüdlich ein, ihre Gäste zu sein: “Beautiful lady, come here and try something of my beautiful food. You are so pretty. Try my food.“ Mit solch gestärktem Selbstbewusstsein trat ich tapfer einen Schritt vor, und schon hatte ich einen Holzstab in der Hand, um den sich gräuliches Schlangenfleisch wickelte. “ Snake! You want? You want Scorpions? Seehorse? Crunchy Magots? Jellyfish?“ Zwischen mir und den Verkäufern lagen Armeen aufgespießter Skorpione, die ihren giftigen Schwanz angriffslustig in die Höhe reckten. Etwas weiter vorne fädelten sich dicke braune Maden auf einem Spießchen „to go“ neben schwarzen Käfern auf. Eine abscheuliche Delikatesse nach der anderen gab sich den Staffelstab in die Hand bzw. in die Kralle. Es gab Quallenpudding, Seesterne, gebackenes Eis und besonders irritierend Seepferdchen, die wie ein Miniatur-Steckenpferd auf der Spitze eines Holzspießes thronten.

Hunderte von Touristen ließen sich mit uns von diesem bunten, lauten Krach hypnotisieren, und als wir am Ende der Promenade angelangt waren, war ich fix und fertig und hundemüde. Mit letzter Kraft schleppte sich die „pretty longnose lady“ mit ihrer männlichen Entourage zurück zum Hotel, und noch bevor ich den Mantel ablegen konnte, war ich eingeschlafen, und ich träumte von einem Bienenbart und Killerameisen.