Wien 23.10.08

“ …Der geilste Schuppen in Wien… „

sagt Suzie über das B 72 in Wien.
Ein paar Ausschnitte mit Kommentaren von Suzie über das Konzert vom 23.10.08 kann in diesem kleinen Video angeschaut werden,


Klee zurück im B72 „Es kommt nicht auf die Größe an“

Die „schlechteste Liveband der Welt“ live in Wien

23. Oktober 2008, Wien, B72

Schlechteste Liveband der Welt? Klee? Laut Suzies Ansage schon, aber stimmt nicht. Wir wissen es besser, Klee waren wieder mal super! Danke für alles!

Kurzausflug nach Wien, nur für eine Nacht. Die U-Bahn bringt mich in die Nähe des B72. Ein kurzer Fußweg, nur ein paar Schritte und schon bin ich da, so schnell geht das. Hat auf der Karte weiter weg gewirkt. Stimmt aber, B72 steht schließlich unüberlesbar über der Tür. Ich glaub hier war ich schon mal. Vor vielleicht eineinhalb Jahren, als ich gemeinsam mit einem Kumpel das Chelsea gesucht habe. An jenem Abend waren Klee übrigens auch in Wien, aber das ist eine andere Geschichte.

17€ kostet die Karte an der Abendkassa, scheint also noch welche zu geben. Ich hab meine schon, hingt die letzten drei Monate an der Pinnwand. Im Lokal die Überraschung, soooo klein! Da sollen alle Platz haben? Für das einzige Österreichkonzert dieser Tour? Wie soll das gehen? Der Konzertraum ist nur unwesentlich größer als mein Wohnzimmer, der zweite Stock macht das auch nicht wieder wett. Außerdem ist es noch nicht mal richtig voll, wo sind die viel tausend Fans die die Band auch bei uns haben müsste?

Ich erspähe zumindest ein bekanntes Gesicht, Ralf aus Bielefeld. Ich plazier mich mal neben ihn, direkt an der Bühnenkante. So weit vorn war ich bisher noch bei keinem Konzert. Ein bisserl mit Ralf getratscht und schon bald betreten Roman Fischer plus Band die Bühne und legen los. Machen gute Musik, aber ich kann mich nicht richtig drauf einlassen, warte auf Klee. Trotzdem schön. Was auffällt sind Romans Schuhe. Müssen Glücksbringer sein die er bei jedem Konzert anzieht und er scheint derer schon viele gespielt zu haben.

Dann Pause. Bühnenumbau. Ich gehe wieder durchs Lokal, dann zurück zur Bühne. Mein Platz besetzt von zwei Amimädels die fast nur für Klee über den Atlantik geflogen sind. Die sind aber eh sehr kompakt und ich seh problemlos drüber. Also halt Reihe 1½, ist eh sicherer. Bei Roman Fischer hat der Bass oder vielleicht auch eine Gitarre meinen Kopf mehrmals nur um Haaresbreite verfehlt. Warten auf Klee, es wird immer dunkler, im Hintergrund plätschert mir unbekannte Musik über die Boxen. Irgendwann meint Ralf, dass es bisher nach diesem Lied immer losgegangen sei. Und wirklich, die Musik geht aus, das Licht geht aus, Klee betreten die Bühne.

„Der Sommer ist vorbei wir wollten eigentlich viel weiter sein…“. Haben die den Text aus meiner aktuellen Biografie? „Wie weit?“, läßt diese wunderschöne Konzertnacht einklingen. Blaues Licht, Suzie mit Napoleonhut und Baum-T-Shirt-Kleid. Auf den Schultern Goldlametta, das rechte Bein gestreift im Pippi Langstrumpf-Look. Overdressed as always, so lieben wir Klee.

Der Abend nimmt seinen Lauf. Viele Songs der neuen CD, „Berge versetzen“, durchmischt mit unseren alten Freunden die wir schon von „Unverwundbar“ oder „Jelängerjelieber“ kennen. Einzig das vorletzte Album bleibt irgendwie außen vor. Ist wohl zu ruhig und sanft für diese Tour. Klee geben sich diesmal eindeutig tanzbar. Und wie! Besonders erstaunt mich „Standard Kompakt“. Gehört sonst zu meinen ungeliebtesten Kleesongs, doch heute, hier ganz anders. Suzie verteilt bunte Dinger, Kreuzungen aus Luftschlangen und Klopapierrollen. Jeder der eine bekommen hat wird angehalten diese einzusetzen wann, wo und wie er/sie spürt, dass es passt. Und wie es passt! Mal fliegt eine Rolle, dann die nächste und damit endet es nicht. Sie werden aufgehoben und dem Menschen neben einem um den Hals gelegt oder einfach drübergeworfen. Schon bald sind die ersten Reihen gut verknotet. Dazwischen lässt Suzie uns tanzen. Eigentlich sagt sie nur an und die Musik macht den Rest, stillstehen geht schon lange nicht mehr.

Dann später: „Lichtstrahl“. Zuerst die bekannte und geliebte Variante. Suzie in jeder Hand einen Scheinwerfer. Doch bald merk auch ich irgendwas passt nicht. Asynchronität zwischen Suzie, dem Publikum und der Musik. Dann Stille, Pause, aus! Was ist passiert? Augsburger mit Fisolengemüse sind an allem schuld. Daniel hat die vor dem Konzert gegessen. Suzie lässt sich mal ein paar Fachbegriffe der österreichischen Küche erklären. Sollte man das nicht machen bevor man das Zeug isst? Egal jetzt, zweiter Versuch. Die Scheinwerfer liegen vergessen am Boden, Suzie raucht sich erstmal fünf an. Bei ihr daheim in Deutschland ist das wohl schon verboten, da muss sie das nichtexistente österreichische Nichtraucherschutzgesetz genießen solange es noch geht. Die Band legt inzwischen mit dem zweiten Versuch von „Lichtstrahl“ los, Suzie steigt auch ein. Erst später nimmt sie zumindest einen der Scheinwerfer in die Hand, die andere ist ja von den Tschicks belegt. Diese verteilt sie, fast aufgeraucht, noch ans Publikum. Ich bekomm auch eine, grausliches Mentholzeug, ich sollte bei Havannas bleiben.

Im Anschluss geht es in die Zugaben. Das übliche Verschwinden-Applaudieren lassen-Wiederkommen-Zugabe geben-Spiel fällt hier aus. Wohl weil das B72 keine Backstage hat. Die Klees treten eher symbolisch in ein Eck der Bühne und schon nach kurzem Applaus machen sie weiter. Vor „Nicht immer aber jetzt“, erwähnt Suzie noch das Schnapskarussell, das sie schon während der gesamten Show ablenkt. „Gebt ihr was zu trinken!“, tönt es aus dem Publikum. Gesagt – getan, Suzie bekommt ihr Bier und die Show geht weiter.

Noch ein paar Klassiker, dann das Ende: „Wie das Wetter“. Es stürmt, Wolken ziehen auf, es wird kalt. Schneegestöber. Die dicken Winterjacken und Pelzmützen werden hervorgekramt und rasch übergestreift. Traurige Ziehharmonikaakkorde zum Abschied. Mit dem Schnee legen sich auch Melancholie und Trauer darüber, dass Klee weiterziehen und uns Österreicher ohne derart gute Musik in der dunklen Zeit alleinelassen über die Zuschauer. Der Winter kommt, es wird kalt und finster. Dennoch bleibt Hoffnung. Nach dem Winter kommt der Frühling und nach der Pause das nächste Kleekonzert.

Hoffentlich bald wieder in Österreich. Noch hoffentlicher sogar mal wieder in Graz. Eine ähnlich kleines Lokal wie das B72 füllen wir auch hier!

Echt schade, dass Klee bei uns wohl noch immer als Geheim-Geheimtipp laufen. Mehr Zuschauer hätten sie sich echt verdient. So schöne Musik und kaum wer hier kennt sie.
Danke für das tolle Konzert und kommt bald wieder!

Ein herzliches Dankeschön geht zum ersten Mal an Peter,
http://www.myspace.com/edorian75

Klasse, Danke.

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