Zàijan Shenyang, ni hao Beijing!

Aber bevor es hieß „Hallo Peking“ beschreibt Suzie ihren Tag in Shenyang.

Shenyang, wir lieben Dich!

Von Suzie:

Heute ist schon unser letzter Tag in Shenyang. Die Zeit verging viel zu schnell, obwohl ich versucht habe sie anzuhalten. Ich schlafe einfach nicht mehr. Und da diese Stadt und alles, was wir sehen und erleben, so unbeschreiblich aufregend ist, bin ich komischerweise überhaupt nicht müde. Ich habe fast Angst etwas zu verpassen, wenn ich die Augen zu mache. So kostbar ist die Zeit.

Heute morgen habe ich Shenyang beim Aufwachen beobachtet. Um vier Uhr graute der Morgen und ich stand im Schlafanzug am Hotelfenster im 14. Stockwerk und blickte hinunter auf den großen Platz auf dem eine riesengroße Statue von Mao Tse Tung steht. Auf diesem Platz tanzen morgens und abends viele Menschen zur Lautsprechermusik , in großen Formationen aufgestellt, um sich fit zu halten.

Aber jetzt war es still.

Zum ersten Mal seit unserer Ankunft schien Shenyang tatsächlich zu schlafen. Langsam wechselte der Himmel seine Farben, und je heller es wurde, desto betriebsamer wurde es. Und es dauerte nicht mehr lange und aus allen Winkeln und Mauselöchern hupte, klingelte und flüsterte, schrie, lachte, dampfte, kochte, klingelte und spektakelte es wieder.

Nach dem Frühstück, das keine „euronesischen“ Wünsche übrig lässt (ich liebe diese kleinen, feinen, seidigen, weißen, gedämpften Reisteigknödel, die unseren Dampfnudeln geschmacklich nahe kommen) sind wir in den Zhongshanpark. Heute bin ich im Rahmen der Veranstaltungsreihe “ Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung“ eingeladen worden, chinesischen Kindern ein Gedicht vorzulesen. Im Kulturpavillon warteten schon die Kinder. Gemeinsam mit dem deutschen Botschafter Dr.Michael Schäfer und dem Vorsitzendem des Goethe Instituts Herrn Ackers sangen und tanzten wir mit den Kindern.

Kleine Kinder tragen in China im Übrigen eigentlich keine Windeln. Die Chinesen haben da eine andere Lösung: Die Hosen sind am Poppo einfach nicht zusammengenäht. Et voilá…

Der Zhongshanpark ist Treffpunkt für Jung und Alt. Läuft man abseits der Hauptwege, entdeckt man Dinge, die uns „Langnasen“ staunen lassen. Angelockt von fremden Klängen, sahen wir eine kleine Gruppe älterer Herrschaften die auf landestypischen Instrumenten musizierten. Das waren Blasinstrumente aus Kürbissen, die klangverwandt sind mit der Klarinette. Ein paar Schritte weiter saßen Männer um einen selbstgebastelten Tisch und spielten Majong. Unter einer Pagode stimmte ein großer Chor gerade ein Lied an, und zwischen den Bäumen entdeckten wir vereinzelnd Menschen, die ihre Tai Chi Übungen machten oder sich an den schattenspendenden Bäumen den Rücken massierten. Wir passierten ein tanzendes Paar, das auf dem Gehweg von einem Tanzlehrer neue Tanzschritte lernte, und hinter dem großen Springbrunnen, der wie eine Wasserorgel zu lauter Musik das Wasser tanzen ließ, kalligraphierte ein Mann mit einem langen Pinsel, den er zwischendurch immer wieder in eine Wasserflasche tunkte, ein Gedicht auf den Gehweg. Das so kunstvoll und leider so flüchtig in der Mittagshitze verdunstete.

Das sind hier völlig normale Dinge, die man in seiner Freizeit tut. Während wir zu Hause mit einem „Coffee to go“ es bestenfalls noch ins nächste Fitnessstudio schaffen, läuft hier im Park ein Ehepaar rückwärts an uns vorbei, um die eigenen Sinne zu schärfen und die Konzentration zu steigern. Das ist kein Witz! Man stelle sich dieses Szenario bitte mal bei uns vor! Hier ist das alles völlig normal und wir kommen uns schon ein wenig merkwürdig vor, unseren Finger nicht mehr vom Kameraauslöser nehmen zu können.

Andererseits sind auch wir ein beliebtes Fotomotiv und so kommt es häufig vor, dass wir uns mit einigen Passanten im Arm ablichten lassen müssen.

Mittlerweile war es dringend Zeit zur Bühne zu gehen, denn der obligatorische Soundcheck für das Konzert heute Abend startete in wenigen Minuten.

Nicht lange darauf begann unser 2. Konzert in Shenyang. Der Platz war wieder rappelvoll, und vom ersten bis zum letzten Ton war die Stimmung großartig. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir uns, mit den paar gelernten chinesischen Sätzen, verständlich machen können und trotz des Sicherheitsgrabens und der uniformierten Sicherheitsbeamten vor der Bühne spüren wir unmittelbar die unendliche, positive Energie, die uns entgegengebracht wird.

Wir sind überaus glücklich, dass wir durch unsere Musik hierher kommen durften und es ist das größte Geschenk, zu spüren, dass Musik eine Sprache jenseits der Sprache ist und wir hier mit unseren Liedern Menschen berühren können.

Vorne in der ersten Reihe steht auch Ralf. Ralf ist extra aus Deutschland (Bielefeld) angereist, um dieses Abenteuer mit uns zu teilen. Es ist mittlerweile sein weit über 230. Kleekonzert. An dieser Stelle möchten wir uns bei ihm ganz herzlich bedanken!

Nach der heutigen Show wurde im Backstage noch in den Geburtstag des Kurators Udo Hoffmann gefeiert.

Und das nach allen Regeln der Kunst!

Wir studierten spontan eine kleine Showeinlage á la Marilyn Monroe ein. Die Backstage Koordinatorin stellte sich auf einen Stuhl, wir wandelten unsere Taschenlampe in ein Spotlight um und dann wurde „Happy Birthday“ gesungen und damit nicht genug, denn ab diesen Zeitpunkt musste sich jeder, ob er wollte oder nicht, auf die „Stuhl – Bühne“ stellen und ein Lied aus seinem Land singen oder tanzen oder eine Geschichte erzählen.

Ich muss nicht extra erwähnen, dass Viva Colonia natürlich nicht im Repertoire fehlte, oder?

Am Ende dieser stimmungsvollen Feier lagen wir uns alle in den Armen und sangen noch schnell : „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, bevor wir zurück zum Hotel gingen.

In der Hotellobby wurden wir von einem Fan überrascht, der extra einen Tanz für uns einstudiert hatte. In der Hotelbar, in der Haindling gerade eine Jamsession beendet hatte, zeigte er uns seinen Tanz. Die ganze Bar war fasziniert. Wir haben noch lange in der Bar getanzt, gesungen, gelacht und sogar geweint, denn Herr Haindling bat mich zu einer Meditationsübung, bei der man sich, ohne zu blinzeln, in die Augen guckt. Nach 10 Minuten rollten mir die Tränen über die Wangen. Tränen des Glücks und auch Tränen der Traurigkeit, morgen Früh abreisen zu müssen.

Aber irgendwie spüre ich, dass ich wiederkommen werde:

“ Eines Tages werde ich mit vollen Segeln das Meer überqueren und das Ufer erreichen, von dem ich träumte“ (Li Bai)

„erzählt“ von Suzie.

Und dann waren KLEE auch noch in Peking,

… Den gestrigen Reise-Tag von Shenyang nach Peking wollen wir nicht unerwähnt lassen, …

Den gestrigen Reise-Tag von Shenyang nach Peking wollen wir nicht unerwähnt lassen, aber ihm dennoch nur die ihm angemessene Kürze zugestehen, denn leider kreuzte ein heftiges Unwetter über Peking all unsere eigentlichen Pläne. So kam es, dass wir am Flughafen im wahrsten Sinne festsaßen und – schon eingecheckt und durchleuchtet – sage und schreibe 6(!) Stunden am Gate und auf zunehmend unbequemeneren Sitzen verbrachten. Ohne jegliche Info, permanent auf „Abruf“ wartend. Dies waren die wohl längsten sechs Stunden unseres Bandlebens.

Es gab dort nämlich nichts von all dem, was man in solchen Momenten begehrt: Kaffee, Essen, Internet… – doch, halt: Essen gabs schon, allerdings nur ein extrem begrenztes Angebot an Instant-Nudelsuppen. Nach 2 Portionen war das Kontingent des kleinen Imbiss dann auch schon genau so erschöpft wie wir mittlerweile. Und als wir kaum noch zu hoffen wagten, an diesem Tag noch nach Peking zu kommen, wurde das Flugverbot dann doch endlich aufgehoben und wir auf eine neue, startbereite Maschine umgebucht.

Glücklich, aber völlig geschafft konnten wir dann gegen 23 Uhr endlich auch in unser Hotel in Peking einchecken, wo wir auch schon auf bekannte Gesichter trafen: die Band Kira, die am Abend dort gespielt hatte und einige Kollegen von der Konferenz waren im selben Hotel untergebracht. Weil wir ja den ganzen Tag über noch nichts gegessen hatten, schlossen wir uns kurzerhand der Kiraband an und konnten endlich den berühmten „Hot Pot“ probieren. Eine Art Fondue, nur eben – wie der Name schon nahe legt – in „scharf“. In der Mitte eines Tisches befindet sich eingelassen der Topf mit der scharfen Brühe, und nach und nach kommen die exotischsten Köstlichkeiten hinzu. Wir haben auf allzu exotisches natürlich verzichtet: Um HundKatzeMaus oder ähnliches muss sich also niemand sorgen..; )

Auch Blut und Hirn (angebliche Spezialitäten) haben wir dann doch lieber ausgelassen.

Die „harmloseren“, wenn auch oft nicht minder unbekannten Zutaten schmeckten aber ganz ausgezeichnet, und wir können mit Fug und Recht sagen, dass dies bisher wohl unser leckerstes Abendessen war.

Der heutige Tag begann früh, denn wir wollten, obwohl wir ja heute Abend ein Konzert spielen sollten, unbedingt auch die chinesische Mauer sehen. Die Fahrt dorthin von Peking aus dauert etwa anderthalb Stunden und so sind wir gleich nach dem Frühstück in den extra für diesen Anlass angeheuerten Bus (samt Fahrer) gestiegen und losgebraust.

Leider vernebelte uns ein nicht weichen wollender Dunst die Sicht auf alles weiter als 500 Meter entfernte abseits der Strecke und leider dann auch auf die tollen Berge und die Mauer selbst. Das tat dem Erlebnis aber nicht wirklich Abbruch, denn wenn man erst mal die vielen Händler und Souvenirshops hinter sich gelassen hat, und mit der Seilbahn auf die Bergkuppen gefahren wurde, bietet sich einem ein unvergessliches Schauspiel. Ein Bild das sicher jeder kennt und wenn man dann dort oben auf der Mauer steht und lang läuft, kommt es einem fast surreal vor, so vertraut und fremd gleichzeitig sind die Eindrücke.

Wir waren ganz bewusst nicht zu dem touristischeren Abschnitt nach Badaling, sondern zu dem noch etwas ursprünglicheren Teil bei Mutianyu gefahren, aber selbst dort blieb man vom Werben der doch auch dort zahlreichen Händler nicht verschont. Auf dem Weg zurück zum Bus kamen einige von uns dann auch nicht umhin, ein paar Souvenirs zu kaufen: Mao-Bibeln, Jadefiguren, Postkarten…den Vogel schoss aber zweifellos Suzie ab, mit ihrer neuen Panda-Mütze…

Pünktlich zum Soundcheck waren wir dann auch wieder in Peking. Unser Auftritt heute war im Gegensatz zu den vorangegangenen kein Open-Air Konzert, sondern eine „klassische“ Club-Show. Ort des Geschehens: der Club Yugongyishan.

Und Peking enttäuschte unsere Erwartungen nicht: Auch hier war die Stimmung und das Publikum grandios. Wir wurden erneut auf einer Woge der Begeisterung getragen. Auf Seiten des Publikums und auch auf unserer eigenen. Wir sind überwältigt von so viel Zuspruch und Herzlichkeit. Und froh und dankbar, diese Reise angetreten zu haben. Sie übertrifft unsere kühnsten Erwartungen.

Xièxie Beying!! (Sten)

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